Das müssen Sie über die HOAI 2021 wissen

Am 06.11.2020 wurde die gesetzlich vorgeschriebene Honorarordnung für Architekten und Ingenieure, kurz HOAI, vom Bundesrat geändert und trat mit 01.01.2021 in Kraft. In diesem Artikel gehen wir auf die wichtigsten Änderungen ein.

 

Seit der Einführung im Jahr 1977 hat die HOAI das primäre Ziel, den gebührenrechtlichen Rahmen für Architekten- und Ingenieurleistungen festzusetzen und damit eine Leistungsbeurteilung zu ermöglichen – nicht auf Basis des attraktivsten Angebots, sondern auf Basis der Qualität. Dumping-Preise sollen so vermieden werden, was auch im Sinne des Qualitäts- und Verbraucherschutzes ist.

 

Die 9 HOAI-Leistungsphasen sind die Grundlage der Ordnung und gliedern den Bauablauf. Sie definieren im Detail, welche Leistungen in den jeweiligen Phasen abgerechnet werden können. Für die Honorarberechnung auf Basis der HOAI werden diese Phasen anteilig angerechnet und unterschiedlich gewichtet. Auch anrechenbare Kosten sind in der HOAI aufgelistet, welcher Sie die Kosten pro Leistungsphase ermitteln können. Darüber hinaus bietet die HOAI sogenannte Leistungsbilder, welche einen erheblichen Einfluss auf die geforderte Leistung hat.

Warum wurde die HOAI geändert?

Die HOAI geriet vor allem wegen der ausführlich definierten Mindest- und Höchstsätze in die Kritik. Gegner der HOAI sahen in der Honorarbegrenzung einen Verstoß gegen die europäische Dienstleistungsrichtlinie. Der europäische Gerichtshof bestätigte diesen Einwand und erkannte die Honorarbeschränkung als rechtswidrig an. Viele Architekten und Ingenieure befürchten nun einen Rückgang der Qualität in der Branche durch entsprechendes Lohndumping. Auch die nicht mehr angemessene Honorarberechnung wird als große Sorge angeführt.

 

Die Regierung ist auf diese Sorgen eingegangen und hat somit statt einer Abschaffung der HOAI eine Überarbeitung angeordnet. Wir geben einen kurzen Überblick über die Änderungen der HOAI 2021.

Neuerungen in der HOAI 2021

Die Höchst- und Mindestsätze werden abgelöst

Honorare können seit der Inkraftsetzung der HOAI 2021 rechtlich gesehen frei vereinbart werden, das heißt, die Berechnung muss nun nicht mehr im Rahmen der Höchst- und Mindestsätze der Honorarzonen erfolgen. Die stark in der Kritik stehenden Honorartafeln müssen jedoch weiterhin eingehalten werden. Die Mindest- und Höchstsätze wurde somit von unteren und oberen Honorarsätzen abgelöst, anstatt vollständig abgeschafft zu werden.

 

Honorartafeln als Orientierung

Auch die HOAI 2021 enthält Honorartafeln, welche als Orientierung bei der Berechnung gelten sollen. In §2 Abs.1 S.2 HOAI Ref-E werden für jeden Leistungsbereich Honorarspannen definiert, die nach den einzelnen Honorarzonen sowie den zugrundeliegenden Ansätzen für Flächen, anrechenbare Kosten und Verrechnungseinheiten gegliedert sind. Die unteren Honorarsätze bilden jeweils den Basishonorarsatz und geben somit zusätzliche Sicherheit und Aussagekraft bei unstimmigen Angeboten.

 

Aktualisierte Leistungsbilder

Die Definition der Leistungsbilder soll vereinfacht werden, weshalb die HOAI 2021 auch in diesem Bereich erneuert wurde. So wurden die in Anlage 1 enthaltenen Leistungsbilder mit denen in Anlage 2 bis 4 gleichgestellt. Die Differenzierung zwischen verbindlichen und unverbindlichen Leistungsbildern ist mit dieser Anpassung somit hinfällig, da Sie mit der HOAI 2021 keine preisliche Bindung mehr eingehen müssen.

 

Schriftliche Honorarvereinbarung

Ein großes Plus in punkto Rechtssicherheit bietet die Aktualisierung des §7 der HOAI 2021, der die Honorarvereinbarung regelt. Während in der vorherigen HOAI-Fassung die Schriftform gefordert wurde, verlangt die aktuelle HOAI lediglich eine “Abgabe einer lesbaren Erklärung”. Dies bedeutet, dass Honorarabsprachen nun ebenfalls via E-Mail, SMS oder über eine Bausoftware getroffen werden können.

 

Regelung von Fälligkeiten und Abschlagszahlungen künftig über das BGB 

Bisher war die HOAI selbst die erste Anlaufstelle bei Fragen zum Thema Fälligkeit des Honorars oder Abschlagszahlungen. Dies änderte sich mit der HOAI 2021, denn nun verweist die HOAI bei Fälligkeitsfragen auf den §650g Abs. 4 des BGB, bzw. bei Fragen zu Abschlagszahlungen auf §632a des BGB. 

Vorbereitet sein auf Veränderungen am Markt

Rechtliche Änderungen wie die Aktualisierung der HOAI können ganze Unternehmenskonzepte ins Wanken bringen. Besonders Änderungen in der Honorarregelung erzeugen schnell große Sorgen. Der bisherige Honorarrahmen der HOAI hat für eine gewisse Sicherheit gesorgt, welche nun nicht mehr besteht. Kritische Stimmen aus der Branche erwarten bereits zur nächsten Legislaturperiode eine weitere komplette Überarbeitung.

 

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